Treffpunkt für die Zürcher Mitglieder der FAM, der Freunde alter Motorräder, war der Flugplatz Speck bei Fehraltorf. Rund 40 Maschinen setzten sich Richtung Wil in Bewegung, gegliedert in drei Gruppen. Eine gemächliche Fahrt durchs Züri-Oberland über die Hulftegg auf kleinen Nebenstrassen, vorbei an Weilern und kleinen Dörfern, deren Namen unbekannt schienen. Den floralen Hintergrund zeichneten blühende Obstbäume, gelber Löwenzahn malte leuchtende Farbtupfer ins satte Wiesengrün. In Wil warteten bereits die FAM-Ostschweizer – schliesslich standen gut und gerne um die achtzig oder neunzig Motorräder an der Wiler Einfallstrasse: Ein kleines Vermögen war hier auf Zeit parkiert. Der ganze Tross nahm dann den Weg zum Bodensee unter die Räder – selbstverständlich war ein interner Verkehrsdienst organisiert, um den Pulk en bloc grössere Strassen überqueren zu lassen: Aufgereiht wie Perlen auf einer Kette fuhr ein Oldie hinter dem andern nordwärts, wiederum abseits durch wunderschöne, hügelige, thurgauische Landschaften. Mit knapp 60km/h zuckelten die „Perlen“ vor sich hin, diverse mit Sozia, einige Gespanne, und eine knappe Handvoll Frauen, die selber fuhren. Der Himmel war gnädig, nur einzelne Tropfen benetzten die Veteranen. Die Einfahrt in Arbon bleibt unvergesslich: Durch einen Teil der Altstadt – weils in den Häusern so wunderbar höllisch laut widerhallt – zum See, wo sich bereits viel Volk samt Maschinen eingefunden hatten: Aus der ganzen Schweiz, zahlreicher natürlich aus der Gegend. Auch eine Vespa-Fraktion aus Bregenz wartete auf, eine Reihe „Tschingge-Rucksäckli“ – Fiat 500 – aufgestellt in Reih und Glied wie viele, viele bunte Smarties. Und selbstverständlich vierrädrige Oldtimer sowie Jahrzehnte alte Nutzfahrzeuge und etwas mager vertreten, ein paar Schiffe. Dafür umso zahlreicher und vielfältiger die Motorräder, die Kennerblicke auf sich zogen: Italien war mit vielen Moto Guzzis und wenigen Ducatis vertreten, auch eine Motobecane, Motobi und Rumy waren dabei sowie zahlreiche Nortons, zwei, drei Ariels, AJS, Matchless, BSAs, Triumphs, Royal Endfields, Raleigh, eine Rudge, eine Velocette aus England angereist (!), ein Scott und ein Panther, Condors, Universals, Motosaccoches, zwei Indian, und natürlich BMWs. Mit unseren beiden MV Agustas – die Ipotesi und die 125er S – versuchten wir, die MV-Zunft würdig zu vertreten. Die legendäre Maschine ist noch immer von ihrem Nimbus umgeben: Vor allem ältere Semester bewunderten die beiden Motorräder – und prompt fiel der Name vom grossen Giacomo Agostini. Wie der Name Arbon Classics verrät, bewegen die Fahrer vorwiegend alte und sehr alte Zweiräder an den Bodensee: Die 32-jährige Ipotesi und die 31 Jahre alte kleine MV gehören eindeutig zu den Jungspunden. Es sei jedoch festgehalten: Auch die 125er ist seit dem 29. April 08 ein waschechter Veteran, offiziell eingetragen im Fahrzeugausweis. Regine Elsener & Roland Fries |