MV Agusta Modelle `45-59
Vespa 98 1945-49
Obwohl MV (Meccanica Verghera) Offiziell erst 1945 gegründet wurde, unternahm man die ersten Schritte in Richtung auf dieses geschäftliche Wagnis schon 1943, als Italien kurz vor der Kapitulation stand und Graf Agusta für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg plante. Im Herbst 1945 erschien nach zwei Jahren Entwicklung in aller Stille inmitten der Kriegswirren das erste Motorrad das MV unter dem Namen "Vespa" , der kurz darauf aus Gründen des Warenzeichenschutzes geändert werden musste, vorstellte. Der Zweitakter hatte ein Zweiganggetriebe mit Fussschaltung.
Leistung bei 3500 U/min. 3.5 PS, Gewicht Trocken 70 kg, 65 km/h, Einzylinder - Zweitakt.
MV 98 Deluxe
1947
Das Luxusmodell mit Telegabel wurde ende 1946 vorgestellt. Der Motor entsprach dem klassischen Zweitaktschema mit Querspülung und Nasenkolben. Er wurde mit Zwei- und Dreiganggetriebe gebaut und angeboten. Diese Modelle wurden bis 1949 gebaut. Die Lackierung war bei allen Modellen ganz in Burgunderrot gehalten, mit Ausnahme des verchromten Tanks, dessen Seitenflächen aber ebenfalls Burgunder waren, sowie des Scheinwerfers und des Rücklicht / Nummernhalter, welche schwarz waren. Sogar die Felgen waren Burgunder lackiert.
MV 98 Dreigang
Dreigang - Tourenversion mit Hinterradfederung; 1947 kostete sie 135000 Lire. Dem Tourenmodell wurde fast gleichzeitig eine Deluxe - Version zur Seite gestellt, deren Telegabel dem Motorrad einen modernen, attraktiven Look vermittelte.
MV 98 2 T 1949
1949 wurde die kleine MV 98 2 T genannt, mit Detailverbesserung, die allerdings nur das Fahrwerk betraf. Ein neuer Rahmen kam zum Einsatz, der über eine Geradweg - Hinterradfederung verfügte und vorne eine Teleskopgabel mit innenliegenden Federn abgefedert wurde, die ohne Dämpfung arbeitete. Die Führung der Standrohre übernahmen Buchsen aus Sinterbronze, in die äusseren Rohre eingepresst und mit Fett geschmiert. Das Modell verfügte zudem über ausladende Kotflügel, auf dem hinteren befand sich nun eine Gepäckbrücke.  Leistung; 4.5 PS bei 4800 U/min, 3 Gänge, 74 kg.
125 Bicilindrica
1947
Schon zwei Jahre nach ihrer Gründung stand die Marke MV so gut da, dass man sich Produkte leisten konnte, die angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage aus dem Rahmen fielen, weil sie keine Alltagsmotorräder waren; ein Zeichen für die Leistungsfähigkeit, wenn nicht sogar eine Demonstration für die finanzielle Unabhängigkeit des Werkes. So zeigte MV auf dem Mailänder Motorradsalon 1947 die "Zefiro", eine elegante 125er mit Zweizylinder - Zweitaktmotor, eine Maschine, die sich vom breiten Angebot jener Tage deutlich abhob. Die Zefiro ging nie in Serie und verschwand auch nach kurzer Zeit aus dem Katalog.  Leistung; 5PS bei 5200 U/min., 80 kg, 85 km/h, Vierganggetriebe.
250  1947-51
Zur gleichen Zeit wie die Zefiro kam auch die "250" heraus, ebenfalls nicht unbedingt das, was der Markt verlangte. Die Nachfrage in den mittleren und grossen Klassen war noch recht bescheiden, weil dieser Sektor fest in der Hand alter, renommierter Marken wie Moto Guzzi, Gilera, Sertum, Bianchi und MM war, wagte es MV mit jugendlichem Mut und Unbefangenheit, in dieses diffizile Geschäft einzudringen. Der Motor ein solider, stehender Einzylinder - Stossstangenmotor mit Zylinder und Kopf in Grauguss, Magnetzündung und Ölsumpf, für damalige Zeiten noch längst nicht selbstverständlich, in Öl laufenden Ventiltrieb und ein angeblocktes Getriebe besass. Doppelschleifenrahmen und Teleskopfederungen vorn und hinten liessen MV im Hinblick auf das Fahrwerk als besonders fortschrittlich erscheinen. Leistung; 10PS bei 5100 U/min., 135kg, 110 km/h.
125 3-Gang
1948-`49
Im Frühjahr 1948 ging ein neues Leichtmotorrad mit 125 ccm Einzylinder in Serie. Es handelte sich um die logische Weiterentwicklung der ursprünglichen 98er, deren Äusseres und deren Grundkonzeption sie auch beibehielt; eine Entwicklung, die den gewachsenen Ansprüchen der Käuferschaft entsprach. Dieses Modell lebte nicht lange, sondern wurde schon im folgenden Jahr durch eine motor- wie fahrwerksseitig vollständig überarbeitete 125er ersetzt. Wichtig war jedoch, dass von diesem Serienmotorrad die erste wirkliche Rennmaschine der MV abgeleitet wurde und die der Firma die ersten wertvollen Rennerfolge einbrachte. Leistung; 4.5 PS bei 4500 U/min., 75 kg, 82 km/h
125 TEL  1949-`54
Das Jahr 1949 brachte eine erhebliche Qualitätssteigerung in der MV - Fertigung. Die leichte 125er, die den Löwenanteil der Produktion stellte, präsentierte sich mit einem neuen Motor mit Vierganggetriebe und einem neu konzipierten Gehäuse. Auch der Rahmen war gründlich überarbeitet worden und bestand nun aus einer Mischung von Stahlrohren im vorderen und Stahlblech - Pressteilen im hinteren Bereich. Eine Bauweise, der MV vor allem in der Serienfertigung bis fast zu den letzten überhaupt gebauten Modellen treublieb. Leistung; 6PS bei 5500 U/min., 85 kg, 85 km/h.
Scooter 125
B/C/CSL
`49-`51
1949 beschloss man bei MV sich auch auf dem Sektor Motorroller (Scooter) zu betätigen. der Roller, ein Versuch , das billige aber unbequeme Motorradfahren komfortabler zu gestalten, stammt aus einer sehr frühen Phase der Motorisierung, wurde aber erst in den Nachkriegsjahren weltweit populär durch die italienische Schule. Der erste Scooter 125 wurde mit dem Buchstaben B bezeichnet; es hatte auch einen A gegeben, einen Prototyp, der dann nicht in Serie gegangen war. 1950 folgte die Baureihe C, die später CSL (C Super Lusso) getauft wurde.
Leistung; 5 PS Bei 4800 U/min., 85 kg, 80 km/h
125 motore lungo
1950
Als zu Beginn des Jahres 1950 die Auslieferung der ersten Lungo begann, gab es über 250 MV - Händler in Italien. Die neue Sportmaschine wurde schnell zum Trendsetter, denn sogar in regulärer Ausführung leistete  sie 8.5 PS bei 8000 U/min. , was zu einer Höchstgeschwindigkeit von knapp 105 km/h reichte. Mit leichtem Tuning und offenerem Auspuff zeigte die Lungo , wozu sie fähig war. Fahrer wie Mario Ventura und Mario Fornasari holten 1950 die Siege für MV bei den beiden bedeutendsten Langstreckenrennen, dem Giro d`Ìtalia und Milano - Taranto. In getunter Version war sie gut knapp 130 km/h , und das war 1950 eine ganze Menge für eine kleine 125er Strassenmaschine. Die Lungo war nicht nur ein exzellenter Renner auf Asphalt, sie brachte der Firma auch mehrere Goldmedaillen bei der Internationalen Sechstagefahrt (ISDT) ein. Als Fahrer traten Stars wie der spätere mehrfache Strassenweltmeister Carlo Ubbiali und Guido Benzoni an.
Scooter 125 C.G.T.
1950 - 1952
Dieser Roller, der 1950 am Genfer Salon vorgestellt und zuerst als Populare, dann als Normale und schliesslich als CGT ( C Grand Turismo) bezeichnet wurde, verwendete die Mechanik und fast die ganze vordere Karosseriehälfte des CSL. Das neue Modell wurde zum durchaus konkurrenzfähigen Preis von 175.000 Lire angeboten. 1951 kam auch eine auf 150 ccm vergrösserte Variante auf den Markt. Die CGT blieb für etwa zwei Jahre, bis 1952, in Fertigung, um dann einer komplett anderen, wirtschaftlicheren Neuentwicklung Platz zu machen; dem Roller Ovunque.
Leistung; 5 PS bei 4800 U/min., 86 kg, 80 km/h.
Scooter 125
Ovunque
1951- 1954
Um 1951 war der Kampf um den Rollermarkt voll entbrannt und hatte bei den konkurrierenden Werken vielfach zu Preissenkungen geführt. MV wollte daher ihre Position mit einem weiteren Modell festigen, das durch Anwendung neuer technischer Lösungen noch billiger gefertigt und angeboten werden konnte. So entstand der Ovunque (etwa; wohin du willst), dessen Struktur aus dicken Stahlrohren bestand, die einen offenen Rahmen bildeten. Der Ovunque wurde zu 141.000 Lire verkauft und war damit ausgesprochen konkurrenzfähig. MV baute zwei Serien mit den Kürzeln 0 51 und 0 52; letztere unterschied sich äusserlich durch die doppelten Auspuffrohre.
Leistung; 5 PS bei 4800 U/min., 74 kg, 80 km/h.
500 Turismo R19
1950 Prototyp
Auf dem Mailänder Salon im November 1950 liess MV eine Bobe platzen, indem man eine strassentaugliche Version des neuen Halbliter-Vierzylinder-Grand-Prix-Renners vorführte. Die R19 Turismo besass den gleichen Hubraum wie das GP-Motorrad, sogar die gleichen Masse für Bohrung und Hub. Die R19 stellte alles, was die Konkurrenz zu bieten hatte, in den Schatten. Das silber und grau lackierte Meisterstück, das mit 40 PS bei 8500 U/min. und mindestens 198 km/h angegeben war, weckte das spezielle Interesse, das nur Ausnahmemaschinen entgegengebracht wird.
150 Turismo
1951
Als 1951 in Italien die Zulassungsfreiheit für leichte Motorräder bis 125 ccm wegfiel, gab es keinen Grund mehr, diesen Hubraum beizubehalten, und tatsächlich fand man bald in den Katalogen aller Hersteller auf 150 bis 160 wenn nicht gar auf den klassischen Vorkriegshubraum von 175 ccm vergrösserte Modelle.  Leistung; 5.5 PS bei 4800 U/min., 90 kg, 98 km/h
150 Supersport
1952
MV bereicherte das Programm um eine neue 150er in den gewohnten Versionen Turismo und Sport. MV nutzte die Erfahrung von vielen Zuverlässigkeitsfahrten, einer von MV seit einiger Zeit erfolgreich betriebenen Wettbewerbsart. So enthielt die neue Konstruktion deutliche Verbesserungen an Federung (Öldämpfern) und der Bremsanlage mit zentral liegenden Leichtmetalltrommeln. Die Preise für das neue Modell lagen zwischen 200.000 und 240.000Lire.
Leistung; 6.2 PS bei 5200 U/min., 90 kg, 98 km/h
175ccm CS.
1953
Gegen Ende 1952 vorgestellte und ab 1953 in Serie gebaute 175 stellte einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Hauses MV Agusta dar, sei es aus technischer, motorsportlicher oder kommerzieller Sicht. Technisch, weil MV Agusta damit den Viertaktmotor in die Serienproduktion einführte. Motorsportlich, weil die diversen, speziell auf Rennen für Serienmotorräder abgestellten Varianten und Ableitungen dazu beitrugen, die Liste der Rennerfolge des Hauses laufend zu verlängern. Kommerziell schliesslich, weil die Firma MV Agusta es von  nun an fast nur noch mit sportlich interessierten Kunden zu tun hatte. Auch künftig tendierte MV Agusta dazu, hohen Fahrleistungen den Vorrang vor Robustheit und Haltbarkeit zu geben, so dass Kunden, die ein Motorrad für den Alltagsgebrauch wollten, das Nachsehen hatten.
350 Vetturetta
2 Zyl. Boxer 1954
Um abzuklären, ob es sich rentieren würde, einen solchen Kleinwagen zu produzieren, wurde Pietro Remor  mit einer Kleinwagenstudie beauftragt. Der von ihm konzipierte, zweisitzige Sportwagen wurde mit einem 350er ohv Boxertwinmotor angetrieben. Das 236kg leichte und 34 PS starke Fahrzeug kam leider nie über den Prototypenstatus hinaus.
48 Ciclomotore
1955
1955 gab es bereits zahlreiche, gut ausgerüstete Mopedfabriken, doch darunter befand sich fast keiner der bekannten Motorradhersteller, so als sei es für sie ein Makel, sich für diese kleinen Maschinchen zu interessieren, und nur MV bildete darin eine beachtliche Ausnahme. Das neue Moped war sehr sinnfällig aufgebaut und basierte auf einem Zentralträgerrahmen aus Stahlblech-Pressteilen. Zum Zweitaktmotor gehörte ein Getriebe mit drei Gängen. Das Modell verfügte über eine Federung an beiden Rädern, damals durchaus keine Selbstverständlichkeit für Mopeds.
300 - 350 Bicilindrica prototyp
1955
Alle Konstruktionen wurden von einer kleinen, unmittelbar vom Conte Domenico Agusta abhängigen Technikerschar im Hause Agusta ausgeführt. Eine der wenigen Ausnahmen, also eine auswärts bestellte Arbeit, war die des Ingenieurs Dr. Giannini in Rom. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchs ein origineller Zweizylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Spulenzündung, Vierganggetriebe und - einer damals wahrhaft zukunftweisenden Raffinesse - elektrischem Anlasser. Alles liess daher einen guten Verkaufserfolg erwarten, doch - wie es bei MV Agusta häufig der fall war folgte keine reguläre Serienfertigung und nach einiger Zeit sprach niemand mehr über dieses Motorrad.
Autocarro 1100 D2
1956
1956 forderte das Land durch seine Wirtschaftliche und Industrielle Entwicklung neue Transport Möglichkeiten. Hubraum stärkere Fahrzeuge die mehr Leistung, Geschwindigkeit und Ladekapazitäten anboten. MV Agusta baute einen Lieferwagen mit einem Zweizylinder Dieselmotor mit 1100 ccm und 4 Gängen und einem Retourgang.
Diese Modelle wurden als Kasten- oder auch als Brückenwagen angeboten.
 
250 Raid
1956
Die 250 Raid erschien unerwartet auf der Mailänder Mustermesse und erregte dort Interesse und Bewunderung. Es war eine Maschine mit sehr modernen, dem Zeitgeschmack entsprechenden Linien und einem vertrauenerweckend robusten Äusseren. Sie wurde als Reisemaschine sehr gerne von der Käuferschaft genutzt und wurde den sehr hohen Erwartungen was Komfort und Funktionssicherheit gerecht. Ihr Name wurde durch eine Abstimmung der damaligen MV Agusta Händler gewählt, die offenbar den Einsatzzweck der Neuschöpfung aus Cascina Costa sogleich erkannt haten.
300 Militari
1957
Von der Raid wurde auch eine Militärmaschine abgeleitet, die das Werk in geringer Stückzahl als 300 herstellte. MV Agusta baute zwar zu keiner Zeit echte Militärmaschinen, lieferte aber verschiedene Serienexemplare mit kleinen Ausstattungsänderungen an einzelne militärische Verbände.
83 Ottantare
1958
Die Ottantare, ein kleines Maschinchen für den Alltagsgebrauch. Nach eingehenden Untersuchungen hatte man herausgefunden, dass gerade dieser Hubraum (83ccm) die erforderliche Leistung brachte, um zwei Personen bei einem für diese Fahrzeugart günstigen Verbrauch zu befördern. Damals stellten die Leute kleinere Ansprüche und hatten vor allem wenig Geld. Und so erwies sich der Hubraum der 83er als vollauf akzeptabel.
235 Tevere
1959
Unter dem Namen Tevere baute MV Agusta zweierlei Fahrzeuge, ein Motorrad und einen Kleinlaster. Im Grunde war der Stossstangenmotor noch immer der der alten Raid, zumindest vom Brennraum, freilich nicht vom Kurbeltrieb her. Tatsächlich hatte das Motorrad Tevere einige Gemeinsamkeiten mit der Raid, von der sie so etwas wie ein Sparmodell darstellte.
MV Centauro
Motocarro 1959
Das Lieferdreirad Centauro hatte die bisherige Motorradbauweise verlassen und wurde ein sehr zweckmässiges Fahrzeug mit hohem Nutzeffekt und gutem Fahrkomfort. Sie hatten regelrechte Fahrerhäuser aus Blech und einen Rückwärtsgang: der erste war der Centauro mit einem 150er Viertakter.
Letzte Aktualisierung am 27.01.2009