Sensationelle Rennaction mit Windschattenduellen von der ersten bis zur letzten Runde

Die Helden der 1000 Superstock Schweizermeisterschaft trafen sich zum fünften Rennen bereits das zweiten Mal in Frankreich; diesmal nicht in Ledenon sondern in Dijon-Prenois.
Die Strecke liegt ungefähr drei Autostunden südwestlich von Basel. Von Dijon aus dauert die Fahrt auf die ländlich gelegene Rennstrecke noch etwa 20 Minuten.

Gefahren wurde die lange Variante die gute 3,801 Kilometer lang ist. Gleich die erste Rechtskurve muss mit vollster Konzentration angebremst werden, da die Bikes am Ende der langen Geraden ca. 250 km/h erreichen. Nach erfolgreich durchfahrener "Double droite de Villeroy", wie die erste Kurve genannt wird, folgt das "S des Sablières", wobei die Bikes nach einer kleinen Steigung über eine Kuppe fahren. Anschliessend hinunter zur "Gauche de la bretelle" Man fährt nun in einem Linksbogen auf die Parabolique zu, wieder über eine Kuppe und anschliessend in eine schnelle links Kurve in die anschliessende "Virage de la Combe". Auch diese Kurve führt über eine Kuppe, die mit äusserster Vorsicht zu durchfahren ist. Nun hat man beinahe die Runde komplett. Was noch fehlt ist die wahrscheinlich entscheidendste Kurve dieses Circuit. Auf einer letzten Kuppe beginnt die "Courbe de Pouas", einer langgezogenen Rechtskurve, die nach der Kuppe am Eingang in eine Senke am Ausgang führt. Die Kurve ist deshalb so entscheidend, da die anschliessende Gerade eine optimale Möglichkeit bietet, seine Kontrahenten aus dem Windschatten zu überholen (oder von diesen überholt zu werden).

Um endlich auf das Renngeschehen zu kommen, werden wir noch kurz das Ergebnis der Qualifikation betrachten. Patrick Muff auf der TKR Suzuki gelang es die Pole zu holen vor dem Franzosen Julien Millet auf der R1, Thomas Flückiger auf der ASR Kawasaki belegte den dritten Platz mit 0.290 Sekunden Vorsprung auf den MV Agusta Fahrer Christian Künzi, diese Vier bildeten die erste Startreihe. Mit über einer Sekunde Rückstand in der zweiten Reihe war der Führende der Meisterschaft Marc Wildisen, gefolgt vom Österreicher Horst Saiger und dem international Startenden Daniel Sutter. Die zweite Reihe beendete Rico Steinmann mit seiner Yamaha R1. Das Blau Power Bike Team war nicht nur mit seinem MV Agusta Team vor Ort, sondern auch mit zwei Kawasaki Piloten. René Nussbaum erreichte im Zeittraining den tollen 11. Startplatz und sein Markenkollege Beat Bernhardt verpasste im ersten Zeittraining eine gezeitete Runde was er aber dafür im zweiten auf dem 17 ten Startplatz mit einem tollen Erfolg wieder wett machte. Der Zweite Pilot vom MV Agusta Team Beat Müller hatte Probleme mit der Elektronik, ging sein Motorrad doch immer wieder auf der Start-Zielgeraden aus, was sich etwas negativ auf die Platzierung auswirkte. Startplatz 22 war die Folge daraus und die Ratlosigkeit in alle Gesichter geschrieben.

So ging’s nun an den Start zum ersten Rennen am Samstag, wo sich das Feld sehr bunt präsentierte.
Der Start verlief bei fast allen gut. Muff und Millet kamen hervorragend weg, lediglich Künzi hatte etwas einen verhaltenen Start und reihte sich als fünfter in der ersten Kurve ein.
Auch Wildisen wählte eine eher spezielle Linie, was ihn zwei Plätze kostete.
Balestra begann das Rennen sensationell, er konnte am Start von P23 in der ersten Kurve an Müller, Scherrer, Nussbaum und ein paar anderen vorbei fahren und lag nun auf P10. Als er ansetzte auf die Spitze aufzuschliessen, erwischte er in der Virage de la Combe etwas viel Curb und sein Motorrad Schlingerte. Dank seiner jahrelangen Erfahrung gelang es ihm jedoch seine Suzuki wieder einzufangen und einen Sturz zu verhindern. Allerdings musste er sich wieder mit P12 begnügen bevor es zum ersten Mal mit Renntempo über die Start/Zielgerade ging. Auch an der Spitze stürzten sich die Fahrer in wilde Windschatten-Duelle. Millet konnte auf seiner schnittigen Yamaha R1 vom Windschatten von Muff profitieren.
Saiger setzte sich in Flückiger`s Windschatten. Allerdings gab er sich dem Rausch der Geschwindigkeit zu lange hin und verpasste den Bremspunkt leicht. Dies eröffnete Flückiger die Möglichkeit sich in der Double droite de Villeroy innen neben ihn zu setzen und in der nachfolgenden kurvigen Passage wieder an ihm vorbei zu fahren. Es kam zu einem packenden Duell zwischen den Beiden, das über mehrere Runden andauern sollte.
Auch zwischen Sutter und Künzi entstand ein sehr schönes Duell, das leider in der dritten Runde ein Ende fand, denn als auch die zweite MV mit leichten Aussetzern begann konnte Künzi der Power von Sutters R1 nicht mehr folgen. Müller fuhr sensationelle Runden, wurde dann jedoch wie schon im Zeittraining durch Elektronik-Probleme gestoppt. Den ersten Rennlauf entschied Patrick Muff mit nur 0.079 Sekunden Vorsprung auf Julien Millet gefolgt von Thomas Flückiger. Vierter wurde der Österreicher Saiger, fünfter Daniel Sutter und auf dem sechsten Platz Christian Künzi.

Am Sonntag war am Frühen Morgen das Warm Up angesagt und das Rennen erst am späten Sonntag Nachmittag. Wir verbrachten den Tag mit dem Zusehen der Racings for Fun und den Dunlop Sportmax Cup Rennen, welches unser Freund Daniel Leibundgut für sich entscheiden konnte. Sein Widersacher hatte einen Frühstart vollzogen und wurde mit einer Zeitstrafe von 10 Sekunden auf den zweiten Rang zurück versetzt. Die Zwei boten einen Superkampf über die gesamte Renndistanz und wechselten sich immer wieder bei der Führungsarbeit ab. Ihr Vorsprung auf den Rest des Feldes wuchs von Runde zu Runde dermassen an, dass trotz Zeitstrafe der zweite Rang noch möglich war.

Das zweite Superstock 1000er Rennen war fast ein Ebenbild des ersten Rennens vom Samstag.
Muff, Millet, Flückiger und Sutter erwischten einen Superstart. Einen noch besseren Start erwischte Julien Balestra, schoss er doch vom 23 Startplatz gleich in der ersten Runde auf den 10 Platz vor und kämpfte seine Wiedersacher mit dem Messer zwischen den Zähnen nieder. Künzi konnte lange mit der Spitze mithalten und zeigte ein sehr gutes Rennen. Während sich vorne Millet mit der Yamaha schnell vom Feld absetzen konnte und vier Sekunden Vorsprung herausfuhr, den er durchs ganze Rennen kontrollieren konnte. Müller auf der zweiten MV Agusta zeigte tolle Duelle und konnte sich an die Spitze einer Sechsergruppe setzen. Immer wieder gab es spannende Überholmanöver zwischen ihm und zwei Suzuki Fahrern. Künzi hatte harte Duelle gegen Sutter zu führen und bedrängte ihn hart, was diesen zu einem Fahrfehler verführte und weit auf die Curps hinaus tragen liess. Bei diesem Manöver muss Sutter irgend etwas auf der Strecke aufgelesen haben und schleuderte den Gegenstand an die Verkleidung von Künzi`s MV Agusta. Durch die Wucht des Aufpralls zerbarst die Windschutzscheibe und ein grosses Stück verfing sich direkt vor dem Kühler. Dadurch erhitzte sich der MV Agusta Motor zu hoch und Künzi musste Sutter ziehen lassen. Flückiger und Saiger nutzten dies aus und überholten Künzi. Beat Müller der bis zur zweitletzten Runde ein Superrennen zeigte wurde in der letzten Runde wieder zum Opfer seiner Elektronik und blieb ausgangs der "S des Sablières" liegen. Das Rennen gewann Millet vor Muff, gefolgt von Sutter, Flückiger, Saiger und Künzi.

Das Rennen in Dijon-Prenois war für die Fahrer, die Teams und die Zuschauer eines der kurzweiligsten bisher. Es begann mit einem furiosen Start, führte zu vielen Zweikämpfen, unzähligen Windschatten-Duellen und viel Action bei den Überrundungen.
Der Importeur sowie der MV Agusta Club Schweiz und ich drücken Christian Künzi und Beat Müller bereits jetzt die Daumen, dass sie beim nächsten Rennen ihre hervorragenden Ergebnisse wiederholen können.
Wir danken Kurt Blau, Chrigel, Beat, Küse, Lisbeth, Markus und Robi, sowie dem ganzen Rest der „Truppe“ für den herzlichen Empfang und die Gastfreundschaft. Es war toll, bei Euch dabei sein zu dürfen.
 
Schweizer Meisterschaft Punktestand