Besuch an der Eicma Milano-Rho

Besuch an der Eicma Milano-Rho

Die Show in Paris wurde abgesagt - von den großen europäischen Motorradmessen bleibt 2009 nur die Eicma in Mailand übrig. Vom 10. bis 15. November will die angeschlagene Branche dort die Neuheiten für 2010 zeigen. Zwei große Japaner bleiben allerdings zu Hause.
Die Bereitschaft der Hersteller und Händler, sich einen fulminanten Messeauftritt zu gönnen, tendiert gegen Null. Denn die Kosten sind immens: ein einwöchiger Mega-Stand verschlingt einen sechs- bis siebenstelligen Euro-Betrag. Viele Hersteller in den USA, aus Italien und Japan können sich solche Summen schlichtweg nicht mehr leisten, da die Verkäufe teilweise um bis zu 50 % eingebrochen sind. Die Branche geht durch ein tiefes Tal der Tränen; Marken wie Buell und Produktionsstandorte werden zur Zeit kurzerhand dicht gemacht, die Belegschaft ist auf Kurzarbeit. Die Zahl der Aussteller ist deshalb schmerzlich geschrumpft und mit Yamaha und Honda fehlen gleich zwei der vier großen japanischen Motorradbauer in Mailand.

Heimspiel für MV Agusta, Ducati, Moto Guzzi und Co.
Sie lieben das Schaulaufen auf dem Mailänder Catwalk: eine halbe Million Besucher werden auf der diesjährigen Motorrad-Messe Eicma erwartet. Ducati schickt die heißesten Models ins Rennen, aber auch MV Agusta ist für eine Überraschung mit ihrer neuen F4 und Brutale 990, 1090 gut.
Seit dem Wochenende wird die Mailänder Innenstadt festlich illuminiert und man mag das als Vorboten werten.

Kurz entschlossen fahren Edith und ich nach Mailand an die EICMA.
Am Pressetag soll es sein, schliesslich wollen wir auch zu den ersten gehören die, die neue F4 sehen und bestaunen dürfen. Bereits vor einem Monat durfte ich schliesslich auch die neuen Brutale 990 und 1090 im Werk sehen und auch Probe fahren.
Eine, wenn nicht die Kernkomponente im MV-Modellprogramm, war seit jüngerer Vergangenheit stets die vielseits bewunderte Tamburini Kreation MV Agusta F4. Über die Jahre hat sich an dem Design nichts geändert, was auch dem Image der F4 zugute kam. Während andere alle 2-3 Jahre den Look & Feel der aktuellen Mode anpassten, widersetzte sich die MV Agusta F4 hartnäckig. Zur Saison 2010 kommt nun die erste größere Überarbeitung, welche der Laie tatsächlich erkennen kann.
Die runderneuerte neue Version bleibt der ursprünglichen Linie treu, macht die Maschine aber kantiger und damit auch aggressiver. Mit einer 998ccm-Maschine stellen sich die Italiener in einer Klasse mit den Fireblades, YZF-RC1sen und ZX-10Rs auf.
Zwei Bilder machen bereits jetzt deutlich wo die Designer angesetzt haben: die markanten 4-Endrohre sind nun eckig und an der Front leuchtet der Scheinwerfer mit Bi-Xenon Technik. Gut 80% an dem Modell sollen dabei neu oder überarbeitet worden sein. Kann dabei noch die F4 herauskommen, wie Sie fast jeder Motorradfahrer kennt? Zumindest hält eine Tatsache gegen das ewig Gestrige: allein von der tollen Optik lässt sich auf Dauer auch nicht gut Kasse machen. Für ein angeschlagenes Unternehmen bleibt somit nur der konsequente Weg nach oben. Ob sich dies in Verkaufszahlen für die neue F4 bemerkbar macht zeigt sich 2010.

Presseleute hatte es viele, mehr aber waren Händler und Privatpersonen an der Messe anzutreffen. So auch einige Club-Mitglieder wie z.B. Ruedi Horni, Roland Moeschlin, Fabrizio Foiadelli etc. Club-Mitglieder und Händler wie z.B. Freddy und Gerhard Götte, Charly Hodel, Edy Petraglio, Markus Allenspach und natürlich Roberto Käser. Auch Deutsche MV Agusta Club Mitglieder konnten wir an der Messe ausmachen.

Leute aufgepasst; die Chinesen und Koreaner kommen. Noch nie war ich an der EICMA, von daher kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, dass das noch normal war. Fakt ist, dass es sehr viele kleine Anbieter aus dem Fernen Osten hatte, die grossen aber wie z.B. Yamaha und Honda an der dies jährigen Messe nicht anwesend waren (die Krise macht auch vor diesen nicht halt). Die Mailänder Messe ist von ihrer Grösse und Architektur her etwas vom schönsten was ich bis jetzt gesehen habe und hinterliess einen bleibenden Eindruck auf mich.
Bekleidung, Zubehör, technische Artikel, Motorräder und langbeinige Hostessen liessen dem Auge keine Ruhe und zwang unsere Beine dem Wirrwarr der Gänge unaufhörlich zu folgen. In der Longe trafen wir Agostini, Read und Tamburini so wie Castiglioni und Friends. Die High Society war auch an anderen Ständen vertreten und überall wurden Sie präsentiert und gefeiert. Gegen Abend sind wir dann müde, aber um viele Eindrücken reicher in die kalte Schweiz zurückgekehrt.
 

Andy Ruch

 
Letzte Aktualisierung am 18.11.2009